Fachbericht zitiert aus
der Zeitschrift:
BLECH In Form 02/2006
Qualität als Wettbewerbsfaktor
Hydraulische Pressen
Je spezieller der Anwendungsfall, desto spezieller die Maschine. So einfach diese Weisheit klingen mag, so anspruchsvoll sind die Konsequenzen, die dem modernen Pressenbau aus ihr erwachsen. Wenn es gelingt, Umformprozesse genau zu gestalten, lassen sich häufig zusätzliche Bearbeitungsprozesse, Nacharbeit oder Ausschuss vermeiden. Präzision wiederum erfordert mehrdimensionales Denken, um bei ganz unterschiedlichen Anforderungen sichere Prozesse gestalten zu können.
Das Charakteristische
Merkmal von Pressen und anderen
Umformmaschinen ist ihre Fähigkeit,
gemäß dem spezifischen Aufgabenspektrum einen genauen, reproduzierbaren
und stabilen Umformprozess
sicherzustellen. Diese Fähigkeit setzt voraus, dass schon bei der
Entwicklung und beim Bau einer Anlage
die späteren Anforderungen so konkret wie möglich berücksichtigt werden.
Beispielsweise ist allgemein
bekannt, dass bei hydraulischen Systemen nach dem Aufsetzen des Stößels
mit dem Oberwerkzeug auf das
Bauteil eine Druckspitze entsteht, die bei kritischen Prozessen und
empfindlichen Bauteilen zu einer
fehlerhaften Bearbeitung führen kann. Um diesen Fehler auszuschließen,
können hydraulische Pressen mit
einer schnellen Presskraftregelung ausgerüstet werden, die die
Presskraft über den gesamten Umformprozess
auf weniger als ± 0,5 Prozent der Nennkraft regelt und eine Druckspitze
beim Aufsetzen verhindert.
Eine automatische Überwachung aller relevanten Prozessparameter in der
Pressensteuerung kontrolliert
den Fertigungsprozess. Bestimmte Umformprozesse erfordern genaue
Positionsregelungen, zum Beispiel das
Setzen und Prüfen hoch präziser Schraubenfedern. In diesem
Anwendungsfall kann der Bediener an der
Pressensteuerung sämtliche Positionen des Stößels frei vorwählen, die
dann von der Maschine mit
entsprechender Genauigkeit definiert angefahren werden. Beim Prüfen und
Setzen der Schraubenfedern
überwacht man zusätzlich die Kraft mit einer genauen
Presskraftmesseinrichtung, so dass sich der gesamte
Prozess von einer übersichtlich und einfach gestalteten Anlagensteuerung
komplett führen und kontrollieren
lässt.
Steuerkanten genau prägen trotz Dickentoleranz
Beim
Fertigen von Servosteuerungs-Kompenenten müssen mehrere Steuerkanten an
der Werkstückoberseite
und der -unterseite mit einer Tiefenabweichung von höchstens 0,002 mm
geprägt werden. Die Prägetiefe
ist auf die jeweilige Werkstückplanfläche bezogen. Alle zu bearbeitenden
Werkstücke haben von der
Vorfertigung her eine Dickentoleranz von maximal 0,2 mm, also eine
wesentlich größere Toleranz als die
zulässige Tiefenabweichung der Prägung. Ein Prägevorgang, der nur über
die Kraft gesteuert wird, wäre in
diesem Fall wegen der nicht hundertprozentig gleichmäßen
Werkstoffzusammensetzung möglich. Als Lösung wurde
eine Sonderpresse mit dazugehörigem Prägewerkzeug konzipiert. Ihre
Besonderheit besteht darin, dass die
Werkstücke bei der Abwärtsbewegung des Stößels vermessen werden und sich
der unter Umschaltpunkt der
Presse diesen Parametern anpasst. Die untere Stößelposition und damit
die Prägetiefe wird mithilfe eines
massiven Festanschlags bestimmt, der von der Pressensteuerung
automatisch auf das richtige Maß gebracht
wird. Der Anschlag ist links und rechts neben dem Werkzeug angeordnet
und lässt sich mithilfe eines
elektrischen Servoantriebs verstellen. Die auf das Werkstück wirkende
Kraft ist genau definiert, so dass
die Auffederung der Maschine reproduzierbar bleibt. Somit bilden
Pressenstößel, Anschlagseinrichtung und
Pressentisch ein System mit hoher Federsteife. Elastische oder
temperaturabhängige Verformungen des
Werkzeugmaschinenständers oder des Pressenzylinders bleiben ohne
Einfluss auf das Prägeergebnis.
Alle Bauteile unterstützen die Gleichlaufregelung
Bei Prozessen mit extremen außermittigen Belastungen und genauen
Werkzeugen muss die Parallelität während
der Bearbeitung gewährleistet sein, um einen stabilen Prozess
sicherstellen zu können und den
Werkzeugverschleiß zu reduzieren. Dementsprechend werden hydraulische
Pressen oft mit einer
hydraulisch-elektronischen Gleichlaufregelung ausgerüstet. Das besondere
Merkmal einer Variante dieses
Konstruktionsprinzips besteht darin, dass die Regelung nicht über die
beiden Hauptzylinder erfolgt, sondern
über die vier Schnittschlagdämpferzylinder. Diese Zylinder haben ein
minimales Ölvolumen, um eine hohe
Regelgenauigkeit zu erreichen. Das bedeutet, dass es sich hier um eine
passiver Regelung als überlagerte
Positions-Druck-Regelung handelt. Weil auf der dazugehörigen Presse bis
zu 2 m lange Folgeverbundwerkzeuge
für sehr dünne Halbzeuge verwendet werden, ist das gewünschte Ergebnis
nur erzielbar, wenn zudem ein
seitlicher Versatz zwischen Stößel und Tisch verhindert wird. Das
wiederum ermöglicht eine Hochpräzisions-
Stößelführung, konkret eine zwölffach vorgespannte Rollenführung, die
gegenüber einer Gleitführung den
Vorteil hat, nicht das Spiel zwischen Pressenständer und Stößel zu
benötigen. Des Weiteren muss der
Pressenständer konzipiert sein, dass er die auf Genauigkeit „getrimmten“
anderen Pressenkomponenten
bestmöglich unterstützt. Um das zu leisten, bietet sich die Zuhilfenahme
von FEM-Programmen in der
Konstruktionsphase an.
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| Genau und schnell zugleich: Presse mit Walzenvorschub, deren Stößel mithilfe einer Highspeed-Regelung positioniert wird |
Druck je nach Bedarf: Presse mit variablem Ziehkissen-Innenkolben |
Zusätzlicher Kolben stellt Genauigkeit sicher
Häufig sollen genaue Prozesse in Verbindung mit einer hohen Taktzahl
realisiert werden. Ist eine genaue
Positionierung im unteren Umschaltpunkt notwendig, reicht dann oft ein
Festanschlag aus, auf den der Stößel
aufsetzt. Diese Maßnahme ist entweder im Werkzeug realisierbar oder es
wird ein motorisch verstellbarer
Festanschlag in der Presse vorgesehen. - Eine Lösung, die bei einer
Vielzahl von Werkzeugen häufig die
preisgünstigste darstellt, zumal über die Pressensteuerung die Höhe
einfach variierbar ist und die
Einstellungen im Werkzeugdatensatz mit abgelegt werden können. Müssen
allerdings noch Zwischenpositionen
genau angefahren werden, reicht ein Anschlag im unteren Umschaltpunkt
nicht mehr aus. In diesem Fall wird
der Stößel über eine schnelle Regelung positioniert, so dass sowohl
hohe Genauigkeitswerte als auch hohe
Taktfrequenzen möglich sind. Bei vielen Tiefziehprozessen ist die
Ziehkissenkraft wegabhängig zu verändern, um einen optimalen Ziehprozess
zu erreichen. Ist aber die Differenz zwischen minimaler und maximaler
Ziehkissenkraft sehr groß, entsteht ein Problem: Das hydraulische System
muss bei minimaler Ziehkissenkraft mit extrem niedrigem Hydraulikdruck
betrieben werden. Ist das Verhältnis von minimaler Ziehkraft zu
Ziehkissen-Nennkraft zu groß und die daraus resultierende Genauigkeit
nicht ausreichend, so kann man sich nur mithilfe einer speziellen
Auslegung dem optimalen Zustand des Systems annähern. Die Genauigkeit
der Ziehkissenkraft muss immer im Zusammenhang mit dem Nenndruck
betrachtet werden. Ist die Ziehkissenkraft beispielsweise kleiner als
fünf Prozent der maximal möglichen Ziehkissenkraft, so lässt sich kein
genauer Prozess sicherstellen. Man kann Abhilfe schaffen, indem man
einen zusätzlichen kleinen Kolben in das Ziehkissen integriert. Weil
damit dann eine kleinere Kolbenfläche zur Verfügung steht, steigt der
Hydraulikdruck auf einen Wert, bei dem wieder ein genauer Prozess
möglich ist. Um auch während des Prozesses zwischen kleinen und großen
Kräften variieren zu können, darf es allerdings beim Umschalten zwischen
den beiden Kolbenflächen zu keinem undefinierten Zustand, keiner
Druckspitze und zu keinem ungewollten Absinken der Ziehkissenkraft
kommen. Das Hydrauliksystem muss
entsprechend diesen Umschaltbedingungen ausgelegt sein und ein sanftes
Ineinander-Übergehen der beiden
Systeme ermöglichen.
Qualität ist Richtschnur für die Pressengestaltung
Es ist offensichtlich, dass sich zunehmend spezifische Umformprozesse
mit unterschiedlichen Anforderungen
auf die Auslegung der Werkzeugmaschinen auswirken und speziell die
Integration qualitätssichernder
Komponenten erfordern. Deshalb ist es heute wichtiger denn je, dass der
Werkzeugmaschinenhersteller sich
bei der Beratung des Kunden mit dem Fertigungsprozess und dessen
Anforderungen beschäftigt und diese
Anforderungen richtig und ausreichend detailliert bewertet. Die Qualität
und die Ausführung der
Werkzeugmaschine haben außer auf die Zuverlässigkeit, die
Reparaturanfälligkeit, die Folgekosten, die
Energiekosten und die Taktfrequenz einen wesentlichen Einfluss auf den
Fertigungsprozess selbst.
Letztendlich spiegelt sich die Qualität einer Presse in der Qualität des
mit ihr erzeugten Produkts wieder.





